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Geschichte und Erfolge

Von der Hanballrige TV Laupen zum Hanballclub Sense

Im handballträchtigen Jahr 1954 - erste Hallenmeisterschaft in der Schweiz, erste Hallenweltmeisterschaft in Schweden - macht man im TV Laupen die ersten handballerischen Gehversuche auf dem Grossfeld, das heisst auf dem alten Fussballplatz in der Gillenau.
Ruedi Rehmann (zuerst 6 Jahre als Captain, später 15 Jahre als Schiedsrichter), Reinhard Wysser, Ueli Schaer, Fritz Ruprecht, Super-Goalie Fritz Zimmermann, Ernst Schmid, Peter Schmid, Fritz (Gyx) Klopfstein, Ueli Ruprecht, Hansruedi Maurer und Robi Gurtner (nie am Muttertag!) gehören zu den TV-Laupen-Handballern der ersten Stunde.

Die ersten drei hatten mit dem TV Flamatt-Neuenegg schon ein Jahr zuvor mit dem Sammeln von Erfahrungen im Meisterschaftsbetrieb begonnen. Die späteren Spiele gegen eben diesen Lokalrivalen TV Flamatt-Neuenegg (Titel im Berner "Bund": Bauernkrieg im Sensetal) erfordern stets einen guten Schiedsrichter, da es sonst schon etwa vorkommt, dass wütende Zuschauer 'in Flamatt das Spielfeld erstürmen wollen, um denselben zu "versohlen"...

Die Zuschauereinnahmen bei Heimspielen (Kässeli) sind 1954 - gemessen an heutigen Budgets von Sportvereinen vergleichsweise äusserst bescheiden: Fr. 20.- / 19.- / 27.- / 4.- / 11.50 / 12.50 ... und Frau Trudi Rehmann-Ruprecht ist während vieler Jahre bei den Heimspielen für den Tee "verantwortlich"... Bereits im ersten Jahr begründet man auch ein Freundschaftsturnier - zugleich ein Familenfest - welches in der Folge während ungefähr zehn Jahren in der Gillenau ausgetragen wird. Teilnehmer sind die Mannschaften der Turnvereine Langnau, Aarberg, Kaufleute Bern sowie - eben - Laupen.

Die "Militärhemmli" - weil man zu dieser Zeit für das Spielertenue noch keine Sponsoren hat (und zudem aus gutem Tuch und "für den Kampf" geschneidert) - wäscht jeder (oder sonst eine liebe Seele) zuhause selbst. Kampf, das ist dannzumal sowieso das sprichwörtliche Attribut der Laupener Handbller. Was noch an Technik fehlt, wird mit Kampf wettgemacht. YB-Spieler Blaser wird sich wohl noch heute nur ungern an die "Wasche" erinnern, die er sich von unserem Mitspieler Ernst Baumann nach einer Meinungsverschiedenheit einhandelte ... der "Buume" seinerseits wohl auch nur ungern an die Busse, die er deswegen zu entrichten hatte!

Zuerst wird, wie gesagt, in der Gillenau Handball gespielt. Als dann zu Beginn der Sechzigerjahre der neue Sportplatz in der Gillenau entsteht, spielt man während zwei Jahren hinter der Biscuitfabrik Rytz. Dort trug sich einmal die folgende Geschichte zu: Dachdecker-Friggu (Fritz Herren) hatte sich beim Schiedsrichter soeben einen Platzverweis eingehandelt und war vom Feld geschickt worden. Da er sich aber auch am Spielfeldrand nicht beruhigen konnte, verwies ihn der Schiri schlussendlich gar des Platzes. Was der gute Pfeifenmann nicht wusste: der Aufgebrachte wohnte gleich nebenan und wetterte nun halt von seinem Balkon aus weiter über den Unparteiischen und das ihm widerfahrene Unrecht ...

Dieses "Sportfeld" war auch Auslöser der folgenden amüsanten Geschichte: da Ruedi Rehmann und Fritz Ruprecht zu dieser Zeit vor dem "Zeichnen" des Spielfelds oft noch zur "Sägesse" greifen mussten, meinten sie, diese Arbeit einmal ohne grosse Kraftanstrengung durch Herren Karis Schafe erledigen lassen zu können. Zu spät wurden die beiden aber gewahr, dass diese Tiere die Angewohnheit haben, einmal aufgenommene Nahrung am andern Ende wieder von sich zu geben ... - Was folgte, war ein stundenlanges Reinigen der Matte von Schafsdreck, da man die Wiese tags darauf als Spielfeld zu benutzen gedachte.

Von einigen wird der Handballbetrieb im TV Laupen zuerst etwas argwöhnisch betrachtet. Das Training findet jedenfalls selbstverständlich nur ausserhalb (meist eine halbe Stunde vor Beginn) des normalen Turnbetriebes statt; trotzdem sind die Handballer im Verein lange Zeit mehr geduldet als erwünscht. Die Vereinsgewaltigen machen jedoch meist gute Miene zum "bösen" Spiel (Otto Zutter). Nichtsdestotrotz werden für Handballinteressierte Teilnahmebedingungen erlassen; so darf zu Beginn selbstverständlich nur Handball spielen, wer auch turnt. Bald wird dann das Handballspiel so ernst genommen, dass, wer Zeit hat, auch am Samstag Nachmittag trainiert. Der sportliche Erfolg stellt sich in der Folge schon bald ein.

Ein spezielles Thema waren zu Beginn die in der Gillenau zur Verfügung stehenden "sanitären Anlagen". Ehemalige GGB- und Nationalspieler, die zu jener Zeit den TV Laupen zum Gegner hatten, amüsieren sich jedenfalls noch heute über die "Duscherei", welche mangels anderer Einrichtungen schlicht in der Saane stattfand...

Einmal, so weiss "Bären"-Ernst Schmid zu berichten, waren er und Ruedi Rehmann unterwegs zu einem Handballspiel in Bern. Auf der Kuppe nach der Station Freiburghaus krachte plötzlich etwas gegen die Windschutzscheibe von Ruedis VW-Käfer. Als Ernst Schmid Nachschau hielt, stellte er fest, dass sie soeben einen stolzen Fasanenhahn "gewildert" hatten. Der einzige Augenzeuge, "Gillenau"-Fritz Ruprecht, welcher den Vorfall als Lokfiihrer aus dem vorbeifahrenden Zug beobachtet hatte, wurde mit einer Einladun zum Fasanenschmaus im "Bären" zum Schweigen verpflichtet ...

Nach den ersten euphorischen Jahren folgt eine kurze handballerische Krise. Doch Otto Zutter und Ruedi Rehmann schaffen im Jahre 1965 einen Neubeginn. Als erster auswärtiger Trainer wird von "OZ" René Brudermann, ein ehemaliger Nationalliga-A-Spieler von GC, nach Laupen "verpflichtet" (Transfersumme: das historische "Laupen-Büchlein" des Laupener Lehrers E.P. Hürlimann). Ein nach dem neuen Coach benannter Spielzug, eben das "Bruederma-Spili", verblüfft uns junge in seiner Effektivität noch ein Vierteljahrhundert später - sogar als wir mittlerweilen gutes 2.-Liga-Niveau spielen und einmal in den Aufstiegsspielen zur 1. Liga mit nur einem Tor Unterschied scheitern.

Ein anderer, in unsere Reihen sehr beliebter Spielzug, ist der von Martin Hellstern "aus der Fremde" importierte "Solo". Mit dieser Freistossvariante schiessen wir in Cupspielen sogar gegen reputierte Gegner 3 bis 5 Tore, bevor diese - manchmal - kapieren, wie man sich gegen diesen "Solo" wehren kann. Die "Angst" vor diesem Spielzug sitzt bei einigen Gegnern so tief, dass sie schon bei dessen Ansage in Panik geraten ...

Das Jahr 1966 bringt den Wechsel vom Grossfeldhandball zum inzwischen populär gewordenen Kleinfeldhandball. Dies kommt auch dem inzwischen etwas kürzeren Atem einiger älterer "Spielerpersönhchkeiten" sehr entgegen (die "Cigis" lassen grüssen ... ). Als Pendent zum Kleinfeldhandball spielt man im Winter Hallenhandball. Weil in Laupen zu dieser Zeit noch keine Turnhalle zur Verfügung steht, welche den Anforderungen in bezug auf Grösse genügt, spielen wir unsere "Heimspiele" zuerst in der Altenberghalle in Bem und später in der meist eisig kalten Berner Festhalle. Da wir in diesen Jahren oft erst um 22 Uhr Spielbeginn hatten, war meist nach 23 Uhr auch kein warmes Wasser mehr vorhanden, und so wurden wir eben hin und wieder zweimal "kalt geduscht". Seelisch aufgewärmt hat man sich dann auf dem Heimweg meist bei einer Coupe im "Télé" Flamatt.

Im Laufe der Zeit bringt der TV Laupen immer wieder sehr gute Handballspieler hervor. Jüngste Beispiele dafür sind Michael Nydegger und Micha, Roth, welche mit dem 'TV Länggasse bis heuer in der Nationalliga A gespielt haben, jetzt aber leider abgestiegen sind, sowie Reto Zwahlen, der mit Wacker Thun nach wie vor der Nationalliga A angehört. Zwei oder drei andere, welche ebenfalls in Nationalligavereinen aktiv waren, haben in der Zwischenzeit ihre Handballschuhe - meist aus beruflichen Gründen - an den berühmten Nagel gehängt.

Plötzlich, fast zwei Jahrzehnte später (anfangs der Achtzigerjahre), besinnen sich einige "Oldies" - Ueli Spycher, Wülly Zutter, Hanspeter Klopfstein - an ihre handballerischen Anfänge und machen einige jüngere Kameraden (allen voran Marco Stulz mit dem "Bomberarm" gluschtig', noch einmal einen Grossfeld-Versuch zu wagen. Nur ein Jahr später spielt dann der TV Laupen tatsächlich schon wieder mit guten Resultaten die Grossfeldmeisterschaft in der 1. Stärkeklasse. Die bereits angesprochenen Spielerpersönlichkeiten rauchen in der Zwischenzeit leider nicht weniger und deponieren nun halt ihre "Suchtstengel" hinter dem Torpfosten, um sich jeweilen möglichst rasch nach dem Ertönen des Schiedsrichters Pfeife etwas "Luft" verschaffen zu können. Die Teilnahme am alljährlichen Grossfeldcup ist jedoch bis heute geblieben.

Ebenfalls geblieben sind die schönen Erinnerungen an die drei Teilnahmen am weltgrössten internationalen Handballturnier im holländischen Valkenburg (1986, 1987 und 1989). An dieser Riesen-Handallveranstaltung (-Fest) nehmen jeweils gegen 300 Mannschaften - von "Jongen" bis "altes Herren" - aus vielen Ländern Europas teil, was etwa die dazu notwendige Infrastruktur erahnen lässt. Gespielt wird auf 21 (!) Plätzen gleichzeitig, und das ganze Turnier dauert volle drei Tage. Obwohl wir in Valkenburg immer sehr erfolgreich abgeschnitten haben - zahlreiche Pokale belegen dies - waren aus Gründen der Kameradschaft die Nächte mindestens ebenso wichtig wie die Tage ...

Weil der Turnbetrieb in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre praktisch nur noch aus der Handballsektion besteht, wird eine aus früheren Zeiten noch bekannte Opposition der Nichthandballer wieder vermehrt spürbar. Sie gipfelt im Jahre 1992 schliesshch darin, dass die Handballer des Tumvereins Laupen mit den ehemaligen Erzrivalen des Turnvereins Flamatt-Neuenegg fusionieren und den HBC Sense gründen. Vieles wird für die Handballer dadurch einfacher, und wir zurückgebliebenen "Zischtigs Clübler" wünschen unseren ehemaligen Kameraden - einige von ihnen sind immer noch Doppelmitglieder! - auf alle Fälle viele "gfröiti" Stunden und auch viel sportlichen Erfolg beim geliebten Handballspiel im nicht mehr ganz neuen HBC Sense.

 

Rolf Schorro (mit herzlichem Dank für die spontane Unterstützung an Ruedi Rehmann, Ernst Schmid, Ueli Spycher und Marco Stulz

 
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